KAPITEL 1: DIE IDEE

„Therapieplanung“ ist ein harmloser Begriff. Er legt nahe, dass Therapie eine Veranstaltung sei, die dazu dient, auf einem einigermaßen vorhersehbaren Weg von einem „Problem“ zu einer „Lösung“ zu gelangen. Deshalb wird in allen Therapieformen viel Wert auf Ziel- und Rollendefinition, die Etablierung einer therapeutischen Beziehung und Setting-Verabredung gelegt. Nüchtern betrachtet ist das nicht falsch: Therapie ist ein Mittel, um zu einem Ziel zu kommen.

Aber dann? Manche Therapieschulen trauen sich, den weiteren Verlauf in Phasen einzuteilen und setzen damit eine gewisse Vorhersagbarkeit voraus. Andere versuchen, durch standardisiertes Vorgehen die Idee der „Therapieplanung“ zu realisieren. Aber selbst diese Ansätze müssen damit leben, dass therapeutische Prozesse ein Eigenleben haben, das weder komplett steuerbar ist noch völlig beliebig abläuft.

„Vom Navigieren beim Driften“  haben Fritz B. Simon und Gunthard Weber die therapeutischen Prozesse in der Metaphorik des Segelns analogisiert. Wenn man erst einmal den Hafen verlassen hat, weiss man nicht genau, welche Winde und Strömungen auf einen warten und wie es einem auf hoher See geht. Trotzdem oder gerade deshalb ist es sinnvoll, sich Kompetenzen mit an Bord zu nehmen, die es einem erlauben, situationsflexibel zu handeln, vor dem Wind oder gegen den Wind zu fahren, zu wenden oder zu halsen, ein Segel zu reffen oder eines aufzuziehen. Je nachdem.

Das braucht Übung. Die Sexualtherapie LIVE Videos sind dafür eine geeignete Segelschule. Hier kann man nicht kentern. Und man hat beliebig viele Versuche, ohne dass einem das Geschehen aus dem Ruder läuft.